Dez 07 9

Die weibliche Gestalt

Danae

Dies ist die weibliche Gestalt,
Ein göttlicher Nimbus haucht von ihr aus von Kopf bis Fuß,
Sie zieht an mit heißer, unwiderstehlicher Anziehungskraft,
Ich werde eingesogen von ihrem Atem, als wäre ich nur ein
Hilfloser Dunst, alles versinkt außer mir und ihr,
Bücher, Kunst, Religion, Zeit, die sichtbare, feste Erde und
was vom Himmel erhofft und von Hölle gefürchtet
wurde, ist jetzt verweht,
Wilde Fühlfäden, unbändige Blitze zucken aus ihr, das
Widerspiel auch unbändig,
Haar, Busen, Hüften, Biegung der Beine, lässiges Sinken
der Hände ganz gelöst, die meinigen auch gelöst,
Ebbe, gestachelt von Flut, und Flut gestachelt von Ebbe,
Liebesfleisch, schwellend und lustvoll schmerzende,
Üppige, reine Strahlen der Liebe, heiß und gewaltig,
zuckender Gallert der Liebe, weißer Gischt und
rasender Saft
Bräutigam, Liebesnacht, sicher und weich eindringend in die
hingegebene Morgendämmerung,
Verwogend in die willige, nachgiebige Tageshelle,
Verloren in der umklammernden Tageshelle süßes Fleisch

Walt Whitmann (Auszug aus ‚Ich singe den Leib, den elektrischen‘)

Nov 07 7

In der Nacht

In der Nacht,
wenn ich dem Tage entfliehen konnte,
bettet sich atmend mein Leib,
ruht mein Geist im Himmel

Dann bin ich dem Tode ganz nah,
fast so,
als könnte ich ihn
neben mir atmen hören.

Nov 07 6

One – Night – Desaster

Als ich mich ihr näherte
in jener schwülen Sommernacht,
mich mit Bedacht auf sie legte
und langsam tastend
einen Zentimeter nach dem anderen
ihren Körper
mit meinen Händen ergründete,
Tropfen an Tropfen uns verband,
war mein Kopf schon am Ziel angelangt,
noch bevor mein Leib sich
mit ihrem verschmelzen konnte.

Nov 07 4

Was bleibt, ist der Schmerz

Hat sie mir nicht sagen wollen, daß sie mich liebt,
aber die Angst und die Scheu sie davon abhält

Ist nicht jede Liebe
ein Zurückweichen vor dem Unaussprechlichen

Oh, ich hätte ihr Gründe geben können,
mich nicht zu begehren, micht nicht zu wünschen
und nicht zu verlangen

Aber Hunger kann die absurdesten Wünsche entstehen lassen
wie der kurze Traum zwischen unseren Leibern

Was bliebe denn schon von der Sehnsucht,
wenn sie nicht schmerzen würde