Dez 07 12

Nänie

In den Nächten des Alleinseins übe ich lächelnd das Sterben,
den leisen Tod,
mit allen Quellen, die in Sehnsucht rinnen.

Vergebt mir, wenn ich nicht wiederkehre,
aber man schreit zwischen unseren Küssen.
Das Bett liegt voll Toter.

Vielleicht begegnen wir uns wieder,
aber dort, wo ich Euch verlassen habe,
trefft ihr mich nicht wieder.

Meine Träume werden fahl
und ich springe herab vom Leibe meiner Mutter.

Komm zu mir Apokalypse in dieser Nacht -
wir schlafen engumschlungen.

Nov 07 24

Verschwendung

Ich möchte mich an dir vergeuden,
mich in dir verschwenden.
Dann will ich gehen,
mich neu vergeben.
Verführen und umworben,
getragen auf fremder Frauen Hände.
Will in neues Fleisch beißen,
mich der neuen Quelle Lust bereichern.
Mich betten in anderen Federn,
aufwachen
und nicht wissen,
wo mein Körper sich befindet,
nicht ahnen,
wer neben mir liegt.

Nov 07 19

Vielleicht

Vielleicht werde ich heute nacht
in dein Zimmer kommen
und zu dir ins Bett steigen
Vielleicht wirst du mich nicht fortschicken
und meinen Kopf in deinen Schoß legen

Vielleicht werde ich mir deine Geschichten anhören
als wären sie neu für mich
Vielleicht habe ich die Kraft und den Mut
und den Ehrgeiz und den Appetit

Vielleicht werden wir gemeinsam einschlafen
und am nächsten Morgen den schlechten Atem
des anderen übersehen
Vielleicht werde ich dich anrufen in den Tagen
nach den Tagen nach den Tagen

Vielleicht werden wir einander vergessen
und uns erinnern was gewesen wäre wenn
es kein vielleicht gäbe

Vielleicht

Nov 07 18

Frost

Ich liege neben dir, entblößt und frierend,
in dem viel zu kleinem Bett,
blase das schwache Kerzenlicht aus,
lege meine Kälte in deine Hände,
warte auf Regung, Bewegung, Berührung.

Du drehst dich zur Seite, wendest dich ab,
behältst die Wärme für dich und
flüsterst mir noch „Gute Nacht“ ins Ohr.
Ich kann nicht schlafen.
Meine Augen starren die Decke an,
dann dich.