Nov 07
18
Ich blicke aus meiner sicheren Behausung
ins durchnässte Freie.
Was geschieht,
wenn hungernder Boden
von bitteren Regentropfen gesättigt wird?
Ein einsamer Vogel
(gibt es einsame Freiheit?)
sitzt unterdessen,
wohlbehütet unter mächtigem Blättern,
auf einen von mir
angesägten Ast.
Noch vor wenigen Tagen
habe ich an Türen geklopft,
die fremde Namen trugen.
Kein Weg schien mir zu weit.
Hoffentlich erinnern sich
weitgereiste Damen an meine Gaben:
Angst, Kummer, Schmerz.
Wie sehr wäre ich doch
Teil von etwas
schicksalslos Unbeständigem.
Nov 07
18
Ich sitze hier
an meinem Schreibtisch
und blicke durchs Fenster
hinaus
auf die Straßen
aber alles
was geschieht
ist ohne Belang
Alles
was ich sehe
ist Tag
für Tag
für Tag
dasselbe
und nichts wird sich
dort draußen ändern
solange ich hier sitze
vor dem Fenster
dem Schreibtisch
dem unbeschriebenen Blatt
dem faden Bier
Nov 07
18
Laß uns geschlechtlich fusionieren,
die Leiber ineinanderschmiegen
und uns sehnen.
War der Höhepunkt atemraubend,
meine kleine Konkubine?
Hattest du Spass, als ein Teil von mir in dir starb?
Mir ist übel von all dem Schweiß,
der vom Ventilator an der Decke
durch das Zimmer springt.
Verflucht, hast du vielleicht geglaubt,
ich würde von dir lassen?
Eine kurze Kopulation kann ja so naive Wehen erzeugen!
Ich werde mich dir geben in den Nächten der Einsamkeit.
Ich werde dein Herz mit meinem Säften benebeln.
Dann, etwas später,
will ich mich entschuldigen für all das,
was ich dir nicht geben wollte.
Nov 07
18
Bin tiefes Gewässer
und seichter Flußlauf,
zähflüssige Lava
und sanftes Blut.
Verliere meinen Kopf
in deinem Schoß,
verliere meine Kontrolle
in deiner Hingabe.
Habe die Welt bereist
und erst
in deinen Armen
meine Heimat gefunden.
Nov 07
18
Ich schreibe,
um mir selbst zu beweisen, daß ich lebe.
Ich verfalle der Illusion,
vergangene Gefühle an ein Blatt Papier fesseln zu können
und in Momenten der Einsamkeit
ein Gedicht der Liebe oder Hoffnung
oder des Mutes und der Träume
aus der Schublade zu zerren.
Wenn ich dann erkenne,
daß ich mein Leben in der Vergangenheit lebe,
greife ich flugs zum Telefonhörer
und frage dich, ob ich rüberkommen kann zu dir
und sich unsere Lippen treffen könnten.
Nov 07
18
Geliebte,
reiche mir ein Laib Brot
als Ersatz für deinen fehlenden Kuß.
Ich werde es behüten
wie einen satten Mund.
Jeden Tag breche ich es entzwei,
mit der Hoffnung,
den Geschmack der Liebe
auf meiner Zunge
nicht zu vergessen.
Nov 07
18
Wenn der Verstand zu laut wird,
hört man das sanfte Schlagen
des Herzens nicht mehr.
Nov 07
18
Ich hauchte mein Leben aus,
um den verzweifelten Sehnen
nach Geborgenheit
den Atem zu stehlen.