knoten in der brust
als ich zu erkennen glaubte
doch mehr kam nicht
als ein tropfen
der uns
sekundenlang
verband
for tanya
Nänie
In den Nächten des Alleinseins übe ich lächelnd das Sterben,
den leisen Tod,
mit allen Quellen, die in Sehnsucht rinnen.
Vergebt mir, wenn ich nicht wiederkehre,
aber man schreit zwischen unseren Küssen.
Das Bett liegt voll Toter.
Vielleicht begegnen wir uns wieder,
aber dort, wo ich Euch verlassen habe,
trefft ihr mich nicht wieder.
Meine Träume werden fahl
und ich springe herab vom Leibe meiner Mutter.
Komm zu mir Apokalypse in dieser Nacht -
wir schlafen engumschlungen.
Die weibliche Gestalt

Dies ist die weibliche Gestalt,
Ein göttlicher Nimbus haucht von ihr aus von Kopf bis Fuß,
Sie zieht an mit heißer, unwiderstehlicher Anziehungskraft,
Ich werde eingesogen von ihrem Atem, als wäre ich nur ein
Hilfloser Dunst, alles versinkt außer mir und ihr,
Bücher, Kunst, Religion, Zeit, die sichtbare, feste Erde und
was vom Himmel erhofft und von Hölle gefürchtet
wurde, ist jetzt verweht,
Wilde Fühlfäden, unbändige Blitze zucken aus ihr, das
Widerspiel auch unbändig,
Haar, Busen, Hüften, Biegung der Beine, lässiges Sinken
der Hände ganz gelöst, die meinigen auch gelöst,
Ebbe, gestachelt von Flut, und Flut gestachelt von Ebbe,
Liebesfleisch, schwellend und lustvoll schmerzende,
Üppige, reine Strahlen der Liebe, heiß und gewaltig,
zuckender Gallert der Liebe, weißer Gischt und
rasender Saft
Bräutigam, Liebesnacht, sicher und weich eindringend in die
hingegebene Morgendämmerung,
Verwogend in die willige, nachgiebige Tageshelle,
Verloren in der umklammernden Tageshelle süßes Fleisch
Walt Whitmann (Auszug aus ‚Ich singe den Leib, den elektrischen‘)
(c) picture by Gustav Klimt ‚Danae‘
Jauchzen nur noch die Kinder

Jauchzen nur noch die Kinder über Pfützen und überschwemmte Rinnsteine?
Lachen nur noch die Kinder über die dicken, dicken Tropfen, die auf der Nase zerplatzen?
Liegen nur noch die Kinder andächtig ängstlich wach,
wenn der Regen draußen die selbstverständlichsten Geheimnisse der Welt austratscht?
Macht der Regen nur noch Kinderaugen still und groß und blank?
Dann wollen wir die dumme abgetragene, aufgeblasene Würde des Erwachsenseins
wie eine vermottete Wolljacke ausziehen und auf einen großen Haufen werfen und verbrennen -
und uns den himmlischen Regen, den Sohn der See und der Sonne, durch Locken ins Hemd laufen lassen.
Komme keiner und sage, das wäre keinen Schnupfen wert.
Wolfgang Borchert
(c) picture by cerdoski
Monika
In der Nacht trug der Wind unsere Kleidung fort
und lud zu seinem Spiel ein.
Wir ließen die Körper im Sand nieder,
der von der Tageshitze noch aufgewärmt war.
Die Sterne beobachteten uns,
die Wellen des Meeres waren Zeuge
unserer entblößten Umarmung.
Deutlich spüre ich noch
die Fährten deiner Hände
in meinem Rücken
als wir uns zwischen
den schützenden Dünen liebten.
Am nächsten Morgen
klebte der Geschmack
deiner salzigen Haut
auf meiner Zunge
und etwas später wurde es Zeit,
Abschied zu nehmen
…
und dein Mann
ist mir noch immer gänzlich
unbekannt.
Ich
Ich
hüte
meine Vergangeneit
und mich
Ich
war
nie Kind
nur Ideologie
Ich
trug
Träume
meines Vaters
Ich
nehme
mein nicht
gelebtes Leben
nun
Ich
weine
immerfort
um Mutter
Ich
gehe
allein
Kleide mich in Liebe
Bitte
Kleide mich in Liebe,
denn ich bin nackt,
bin unbewohnte Stadt,
benommen von Lärm,
taub von Trillern,
trockenes Blatt im März.
Umhülle mich mit Freude,
ich wurde nicht geboren, um traurig zu sein,
die Traurigkeit ist mir zu weit
wie ein fremdes Kleid.
Ich will wieder brennen,
den salzigen Geschmack der Tränen vergessen,
die Löcher in den Lilien,
die tote Taube auf dem Balkon.
Noch einmal mich wiegen im wehenden Wind,
schäumende Welle,
Meer über den Klippen meiner Kindheit,
Sterne in den Händen,
lachende Lampe auf dem Weg zum Spiegel,
in dem ich mich schaue
heilen Leibes,
beschützt,
an die Hand genommen
vom Licht,
von grüner Wiese und Vulkanen,
das Haar voller Spatzen.
Schmetterlinge sprießen aus meinen Fingern,
Luft nistet in den Zähnen
und kehrt zurück zur Ordnung
des Universums bewohnt von Zentauren.
Kleide mich in Liebe,
denn ich bin nackt.
unbekannt
Bin nicht da
…





