Dez 07 8

Jauchzen nur noch die Kinder

Jauchzen nur noch die Kinder

Jauchzen nur noch die Kinder über Pfützen und überschwemmte Rinnsteine?
Lachen nur noch die Kinder über die dicken, dicken Tropfen, die auf der Nase zerplatzen?
Liegen nur noch die Kinder andächtig ängstlich wach,
wenn der Regen draußen die selbstverständlichsten Geheimnisse der Welt austratscht?
Macht der Regen nur noch Kinderaugen still und groß und blank?
Dann wollen wir die dumme abgetragene, aufgeblasene Würde des Erwachsenseins
wie eine vermottete Wolljacke ausziehen und auf einen großen Haufen werfen und verbrennen -
und uns den himmlischen Regen, den Sohn der See und der Sonne, durch Locken ins Hemd laufen lassen.
Komme keiner und sage, das wäre keinen Schnupfen wert.

Wolfgang Borchert

Dez 07 7

Monika

In der Nacht trug der Wind unsere Kleidung fort
und lud zu seinem Spiel ein.
Wir ließen die Körper im Sand nieder,
der von der Tageshitze noch aufgewärmt war.

Die Sterne beobachteten uns,
die Wellen des Meeres waren Zeuge
unserer entblößten Umarmung.
Deutlich spüre ich noch
die Fährten deiner Hände
in meinem Rücken
als wir uns zwischen
den schützenden Dünen liebten.

Am nächsten Morgen
klebte der Geschmack
deiner salzigen Haut
auf meiner Zunge
und etwas später wurde es Zeit,
Abschied zu nehmen

und dein Mann
ist mir noch immer gänzlich
unbekannt.

Dez 07 7

Ich

Ich
hüte
meine Vergangeneit
und mich
Ich
war
nie Kind
nur Ideologie
Ich
trug
Träume
meines Vaters
Ich
nehme
mein nicht
gelebtes Leben
nun
Ich
weine
immerfort
um Mutter
Ich
gehe
allein

Dez 07 4

Kleide mich in Liebe

Bitte
Kleide mich in Liebe,
denn ich bin nackt,
bin unbewohnte Stadt,
benommen von Lärm,
taub von Trillern,
trockenes Blatt im März.
Umhülle mich mit Freude,
ich wurde nicht geboren, um traurig zu sein,
die Traurigkeit ist mir zu weit
wie ein fremdes Kleid.
Ich will wieder brennen,
den salzigen Geschmack der Tränen vergessen,
die Löcher in den Lilien,
die tote Taube auf dem Balkon.
Noch einmal mich wiegen im wehenden Wind,
schäumende Welle,
Meer über den Klippen meiner Kindheit,
Sterne in den Händen,
lachende Lampe auf dem Weg zum Spiegel,
in dem ich mich schaue
heilen Leibes,
beschützt,
an die Hand genommen
vom Licht,
von grüner Wiese und Vulkanen,
das Haar voller Spatzen.
Schmetterlinge sprießen aus meinen Fingern,
Luft nistet in den Zähnen
und kehrt zurück zur Ordnung
des Universums bewohnt von Zentauren.
Kleide mich in Liebe,
denn ich bin nackt.

unbekannt

Dez 07 2

Bin nicht da

Nov 07 28

Glücksmomente

Mit festem Griff umfasse ich ihre zarte Taille,
ergreife ihr verletzliches Becken,
gleite mit den Händen ihren Rückenkamm hinab,
während sie leicht und zutraulich auf meinem Schoß sitzt.

Sie beugt sich vornüber,
ihr Haar fällt in mein Gesicht,
kitzelt meine Wangen
und zaubert ein Lächeln hinein.

Glücksmomente wie diese
sind Balsam für die Wunden,
die der grobe Alltag in uns hineinschlägt.

Nov 07 26

Fern

Der Tod ist mir so vertraut
in den Nächten der Einsamkeit.
Dann spüre ich deinen kalten Atem
auf meiner spröden Haut
und das wehe Verlangen,
dir so fern zu sein
wie der Graben
zwischen unseren Herzen.

Nov 07 24

Verschwendung

Ich möchte mich an dir vergeuden,
mich in dir verschwenden.
Dann will ich gehen,
mich neu vergeben.
Verführen und umworben,
getragen auf fremder Frauen Hände.
Will in neues Fleisch beißen,
mich der neuen Quelle Lust bereichern.
Mich betten in anderen Federn,
aufwachen
und nicht wissen,
wo mein Körper sich befindet,
nicht ahnen,
wer neben mir liegt.