Ich hatte Angst,
ich könnte am nächsten Morgen
neben dir aufwachen und
nicht wieder fortgehen wollen.
Ich hatte Angst,
mein bisheriges Leben
liegen zu lassen und
in deines einzutauchen.
Wäre ich zu dir ins Auto gestiegen und
hätte deine Einladung angenommen,
so hätte ich auf Spiel gesetzt,
nicht mehr der zu sein,
der ich einmal gewesen bin.
Ich würde mein Zuhause verlassen,
mein Frau und die Kinder,
meine Freunde und mein Dasein.
Ich würde zu dir ins Bett steigen,
dich anblicken und
alles um mich herum vergessen.
Ich hatte Angst,
mich aufzulösen und
in dir zu verlieren,
in deine Tiefe unterzugehen.
Laß dich nicht von mir narren. Laß dich nicht durch das Gesicht täuschen, das ich mache. Denn ich trage tausend Masken, die ich fürchte abzulegen. Und keine davon bin ich. So tun als ob ist eine Kunst, die mir zur zweiten Natur wurde. Aber laß dich dadurch nicht täuschen, um Gottes Willen, laß dich nicht von mir narren.
Ich mache den Eindruck, als sei ich umgänglich, als sei alles sonnig und heiter in mir, innen wie außen, als sei mein Name Vertrauen und mein Spiel Kühle, als sei ich ein stilles Wasser und als könne ich über alles bestimmen, so als brauchte ich niemanden. Aber glaube mir nicht, bitte glaube mir nicht ! weiterlesen →
Ihr Tagebuch
Am Samstag Abend hat er sich echt komisch verhalten. Wir wollten noch auf ein Bier ausgehen. Ich war den ganzen Tag mit meinen Freundinnen beim Einkaufen und kam deswegen zu spät – womöglich war er deswegen sauer.
Irgendwie kamen wir gar nicht miteinander ins Gespräch, so dass ich vorgeschlagen habe, dass wir woanders hingehen, wo man sich besser unterhalten kann. Er war zwar einverstanden, aber blieb so schweigsam und abwesend. Ich fragte, was los ist, aber er meinte nur „nichts“.
Dann fragte ich, ob ich ihn vielleicht geärgert habe. Er sagte, dass es nichts mit mir zu tun hat und dass ich mir keine Sorgen machen soll. Auf der Heimfahrt habe ich ihm dann gesagt, dass ich ihn liebe, aber er fuhr einfach weiter.
Ich versteh ihn einfach nicht, warum hat er nicht einfach gesagt „ich liebe Dich auch“. Als wir nach Hause kamen fühlte ich, dass ich ihn verloren hatte, dass er nichts mehr mit mir zu tun haben wollte. Er saß nur da und schaute fern – er schien weit weg und irgendwie abwesend.
Schließlich bin ich dann ins Bett gegangen.
Er kam 10 Minuten später nach und zu meiner Überraschung hat er auf meine Liebkosungen reagiert und wir haben uns geliebt. Aber irgendwie hatte ich immer noch das Gefühl, dass er abgelenkt und mit seinen Gedanken weit weg ist. Das alles wurde mir zuviel, so dass ich beschlossen habe, offen mit ihm über die Situation zu reden, aber da war er bereits eingeschlafen.
Ich habe mich in den Schlaf geweint. Ich weiß nicht mehr weiter. Ich bin fast sicher, dass er eine andere hat. Mein Leben hat keinen Sinn mehr.
Sein Tagebuch
Heute hat der VfB verloren, aber wir hatten prima Sex.
Was ist Politik? Politik kommt von polis, und das heißt Stadt und Staat, bedeutet und meint aber immer schon mehr als Stadt und Staat, es bedeutet Heimstatt als die Stelle, an der wir leben. Heute begreift man immer mehr, daß die menschliche Heimstatt die Erde ist, ein kleiner Planet in einem Sonnensystem an einem Seitenarm einer Galaxie aus Milliarden Sternen, einer Galaxie unter zahllosen anderen. Unser Planet ist ein pures Nichts im Universum, aber er ist unsere Heimat, er ist unsere Polis. Dafür, daß er uns das sein kann, ist alles trefflich bereitet. Was der Mensch zum Leben braucht, wird ihm von der Erde unter der lebensspendenden Sonne zuteil. Insofern ist unsere Erde ein politischer Planet, und Gott, der dem Menschen die Erde zu seiner Heimstatt gewährte, ist ein politischer Gott. Unglücklicherweise ist der Mensch kein politischer Mensch. Die Behauptung des Aristoteles, das er einer sei, hat sich als Irrtum erwiesen. Denn Politik müßte heißen, diese menschliche Heimstatt, Heimat zugleich für Pflanzen und Tiere, zu verwirklichen und zu bewahren. Politik müßte heißen, die Erde zu einer menschlichen Erde zu machen. weiterlesen →
Der Staat Washington, im Nordwesten der USA, war die Heimat der Duwamish, eines Volkes, das sich – wie alle Indianer – als einen Teil der Natur betrachtete, ihr Respekt und Ehrerbietung erwies und seit Generationen mit ihr in Harmonie lebte.
Im Jahre 1855 machte der 14. Präsident der Vereinigten Staaten, der Demokrat Franklin Pierce, den Duwamish das Angebot, ihr Land weißen Siedlern zu verkaufen; sie selbst sollten in ein Reservat ziehen.
Die Indianer verstanden das nicht. Wie kann man Land kaufen und verkaufen? Nach ihrer Vorstellung kann der Mensch die Erde nicht besitzen, so wenig, wie er den Himmel, die Frische der Luft oder das Glitzern des Wassers besitzen kann.
Chief Seattle, der Häuptling der Duwamish, antwortete dem “ großen Häuptling der Weißen“ auf dessen Angebot mit einer Rede, deren Weisheit, Kritik und bescheidene Hoffnung uns heute, fast 150 Jahre später, mehr denn je betrifft und betroffen macht.
„Meine Worte sind wie Sterne, sie gehen nicht unter“, sagte Chief Seattle.
Sein Volk hat nicht überlebt, seine Worte wurden nicht gehört.
Werden wir sie hören? Werden wir überleben? weiterlesen →