Nov 07 17

In mir liegt Schwere

Hier sitze ich,
nachts an meinem Schreibtisch,
der Mond ist mein Gefährte,
zu Tode betrübt,
vergieße dann und wann eine Träne,
bin leer und hohl,
Luftblasen irren durch meinem Kopf
und weiß nicht weiter…

Statt Kraft zu tanken, bei dir zu sein, mit dir zu sein,
die wenigen freien Stunden gemeinsam zu nutzen,
hadere ich ob meines Schicksals und bin erschöpft.
Habe keine Kraft, der Akku ist leer, keine Abwehr mehr
und infolge dessen sitzt die Nase zu,
habe Kopfschmerzen, der Magen dreht sich.

Ich hatte am Samstag Abend,
ich bin erst spät zurückgekehrt,
überlegt, doch noch zu dir zu fahren,
doch dann gewann der Stolz die Überhand und ich ließ es bleiben.
Habe nicht viel angefangen mit meiner Zeit,
habe hier und da versucht,
Ordnung in die Wohnung zu bekommen,
an einigen Ecken geputzt und versucht, die Küche aufzubauen,
konnte die kyrillische Gebrauchsanleitung nicht folgen,
gab es auf,
setzte mich auf den Stuhl,
stützte meinen Kopf auf die Hände,
weinte leise, dachte an die Zukunft,
was soll bloß werden, was soll bloß mit uns werden.

Bin so ratlos, bin so rastlos,
ohne Ruhe, umherirrend in mir selbst,
ungestellte Fragen, die nach Antwort dürsten.
Und dann und wann vielleicht ein Zeichen von dir,
spende mir Kraft, verdammt, spende mir endlich auch mal Kraft,
Starre Gerüste verbreiten sich im Hirn,
aber sei mir Licht, sei mein Licht -
ich bin zu müde zu schlafen, ruh mich aus.

Frage mich, was soll bloß werden, immerfort…

Und noch kein Zeichen, vielleicht geht es dir viel besser ohne mich,
ich weiß keinen Rat,
bist du glücklich ohne mich,
vergnügst dich lauthals lachend in deinen Kreisen
und ich sitze hier und weine bitterlich?

Statt Zusammenkunft nur Getrenntheit – wie dumm das ist,
gekränkte Eitelkeiten, verletzter Stolz,
der eine gibt nicht nach, der andere zögert noch.

Statt liebend uns im Bett zu treffen,
sich verzehrend in des anderen Armen schmiegen,
sind wir abgeschieden, ohne Band, abgetrennt.
Das Leben, das Lieben aus der Ferne liegt mir nicht.

Statt die Zeit, dieses kostbare Gut,
mit gemeinsamen Inhalt zu füllen,
sitze ich hier sinnentleert,
nur noch kurze Zeit, dann Schlafen,
wachend auf den kommenden Tag,
wartend auf das immer wiederkehrende Ritual.

Ich will nicht mehr, wo ist bloß die Veränderung,
wo bleiben die Gemeinsamkeiten,
alle Träume zerplatzen
in dem viel zu engen Korsett
der Wünsche an den Anderen,
infantil, irrational.

Gestern war noch alles voller Licht und Liebe,
heute scheint keine Sonne mehr auf uns,
kein Strahlen mehr in mir,
bin blaß und vom Weinen müde,
möchte dir jetzt nahe sein,
ich Dummkopf,
du Dummkopf,
warum machen wir es uns so schwer
oder liegt die Schwere in mir?

Weiß keinen Rat,
weiß nur eines noch,
mein Herz verzehrt sich nach dir, bin so sehnsuchtsschwer
und habe doch Angst, dir zu begegnen.

Nimm mir meine Schwere,
nimm mir meine unnötige Last,
den Ballast meiner wirren Gedanken,
trage mich auf deinen Armen, wische mir die Angst hinfort.

Ich will nun bei dir sein,
zu spät.
Es kommt der Tag, wo die Entscheidung fällt …
…sonst falle ich …

0 Kommentare ↓

Bisher keine Kommentare...Sei der Erste und leg los indem Du die Felder unten ausfüllst.

Schreibe einen Kommentar