Kategorie: Zitate ↓

Dez 08 8

Der Erzieher der Zukunft

Der Erzieher der Zukunft wird systematisch (nicht mechanisch) das tun, was auch heute jeder gute, echte Erzieher tut. Er wird die Qualitäten des lebendigen Lebens im Kind fühlen, er wird seine spezifischen Qualitäten wahrnehmen und deren Entwicklung aufs entschiedenste fördern.

Wilhelm Reich

Jun 08 27

Beweinen

Man muß die Menschen bei ihrer Geburt beweinen, nicht bei ihrem Tode.

Montesquieu

Mai 08 8

Daß wir wieder werden wie Kinder

Daß wir wieder werden wie Kinder, ist eine unerfüllbare Forderung.
Aber wir können zu verhüten suchen, daß die Kinder werden wie wir.

Erich Kästner

Feb 08 9

Eine ungehaltene Rede vor dem deutschen Bundestag

Eine ungehaltene Rede

Was ist Politik? Politik kommt von polis, und das heißt Stadt und Staat, bedeutet und meint aber immer schon mehr als Stadt und Staat, es bedeutet Heimstatt als die Stelle, an der wir leben. Heute begreift man immer mehr, daß die menschliche Heimstatt die Erde ist, ein kleiner Planet in einem Sonnensystem an einem Seitenarm einer Galaxie aus Milliarden Sternen, einer Galaxie unter zahllosen anderen. Unser Planet ist ein pures Nichts im Universum, aber er ist unsere Heimat, er ist unsere Polis. Dafür, daß er uns das sein kann, ist alles trefflich bereitet. Was der Mensch zum Leben braucht, wird ihm von der Erde unter der lebensspendenden Sonne zuteil. Insofern ist unsere Erde ein politischer Planet, und Gott, der dem Menschen die Erde zu seiner Heimstatt gewährte, ist ein politischer Gott. Unglücklicherweise ist der Mensch kein politischer Mensch. Die Behauptung des Aristoteles, das er einer sei, hat sich als Irrtum erwiesen. Denn Politik müßte heißen, diese menschliche Heimstatt, Heimat zugleich für Pflanzen und Tiere, zu verwirklichen und zu bewahren. Politik müßte heißen, die Erde zu einer menschlichen Erde zu machen. Weiterlesen →

Jan 08 19

Kinder, die man nicht liebt

Kinder, die man nicht liebt, werden Erwachsene, die nicht lieben.

Pearl S. Buck

Jan 08 5

Wenn ein Kind zur Welt kommt

Wenn ein Kind zur Welt kommt, berührt ein Engel seine Stirn,
damit es die Wahrheit vergisst, die es im Augenblick der Geburt weiss.
Würde das Kind sie nicht vergessen, wäre das spätere Leben unerträglich.

aus dem Talmud

Dez 07 9

Die weibliche Gestalt

Danae

Dies ist die weibliche Gestalt,
Ein göttlicher Nimbus haucht von ihr aus von Kopf bis Fuß,
Sie zieht an mit heißer, unwiderstehlicher Anziehungskraft,
Ich werde eingesogen von ihrem Atem, als wäre ich nur ein
Hilfloser Dunst, alles versinkt außer mir und ihr,
Bücher, Kunst, Religion, Zeit, die sichtbare, feste Erde und
was vom Himmel erhofft und von Hölle gefürchtet
wurde, ist jetzt verweht,
Wilde Fühlfäden, unbändige Blitze zucken aus ihr, das
Widerspiel auch unbändig,
Haar, Busen, Hüften, Biegung der Beine, lässiges Sinken
der Hände ganz gelöst, die meinigen auch gelöst,
Ebbe, gestachelt von Flut, und Flut gestachelt von Ebbe,
Liebesfleisch, schwellend und lustvoll schmerzende,
Üppige, reine Strahlen der Liebe, heiß und gewaltig,
zuckender Gallert der Liebe, weißer Gischt und
rasender Saft
Bräutigam, Liebesnacht, sicher und weich eindringend in die
hingegebene Morgendämmerung,
Verwogend in die willige, nachgiebige Tageshelle,
Verloren in der umklammernden Tageshelle süßes Fleisch

Walt Whitmann (Auszug aus ‚Ich singe den Leib, den elektrischen‘)

Dez 07 8

Jauchzen nur noch die Kinder

Jauchzen nur noch die Kinder

Jauchzen nur noch die Kinder über Pfützen und überschwemmte Rinnsteine?
Lachen nur noch die Kinder über die dicken, dicken Tropfen, die auf der Nase zerplatzen?
Liegen nur noch die Kinder andächtig ängstlich wach,
wenn der Regen draußen die selbstverständlichsten Geheimnisse der Welt austratscht?
Macht der Regen nur noch Kinderaugen still und groß und blank?
Dann wollen wir die dumme abgetragene, aufgeblasene Würde des Erwachsenseins
wie eine vermottete Wolljacke ausziehen und auf einen großen Haufen werfen und verbrennen -
und uns den himmlischen Regen, den Sohn der See und der Sonne, durch Locken ins Hemd laufen lassen.
Komme keiner und sage, das wäre keinen Schnupfen wert.

Wolfgang Borchert