Kategorie: Gedichte ↓
Nov 07
19
Vielleicht werde ich heute nacht
in dein Zimmer kommen
und zu dir ins Bett steigen
Vielleicht wirst du mich nicht fortschicken
und meinen Kopf in deinen Schoß legen
Vielleicht werde ich mir deine Geschichten anhören
als wären sie neu für mich
Vielleicht habe ich die Kraft und den Mut
und den Ehrgeiz und den Appetit
Vielleicht werden wir gemeinsam einschlafen
und am nächsten Morgen den schlechten Atem
des anderen übersehen
Vielleicht werde ich dich anrufen in den Tagen
nach den Tagen nach den Tagen
Vielleicht werden wir einander vergessen
und uns erinnern was gewesen wäre wenn
es kein vielleicht gäbe
Vielleicht
Nov 07
19
„Durch dich blicke ich
nicht hindurch“,
sagte er
und stieß auf ihr Innerstes.
Nov 07
19
Letztlich -
nach all den Kämpfen,
den Tränen
der Hoffnung und der Trauer
und den vergeblichen Neuanfängen
ist unsere Liebe verfallen
wie das Haltbarkeitsdatum
einer Tüte Milch.
Und nach all den Versuchen,
sie fortzuführen und
hinauszuzögern
ist der Geschmack der Liebe
schließlich sauer geworden.
Nov 07
19
In den nicht gelebten Träumen,
den ungenutzten Chancen,
den alltäglichen Phantastereien
geht der Glanz und die Pracht
des wachen Erlebens unter
und die Türen der Lebendigkeit
werden verschlossen bleiben,
bis daß der Tod das nicht
gelebte Leben scheidet.
Nov 07
18
Stell dir vor,
ich würde bei dir bleiben.
Nicht wie üblich
für die wenigen Stunden,
in denen unsere Körper übereinander herfallen,
während das Herz und die Seele
noch vor der Tür auf Einlass warten,
sondern über Nacht und
den darauf folgenden Tag und
die kommende Woche und
Monat für Monat, Jahr über Jahr -
solange es eben dauert,
bis dass Herz und Seele sich trauen,
bei dir zu bleiben.
Nov 07
18
Wer mehr mit dem Mund spricht
als mit dem Herzen,
hat das Kind in sich zum Schweigen gebracht
und den Erwachsenen zum Schwatzen
Nov 07
18
Ich blicke aus meiner sicheren Behausung
ins durchnässte Freie.
Was geschieht,
wenn hungernder Boden
von bitteren Regentropfen gesättigt wird?
Ein einsamer Vogel
(gibt es einsame Freiheit?)
sitzt unterdessen,
wohlbehütet unter mächtigem Blättern,
auf einen von mir
angesägten Ast.
Noch vor wenigen Tagen
habe ich an Türen geklopft,
die fremde Namen trugen.
Kein Weg schien mir zu weit.
Hoffentlich erinnern sich
weitgereiste Damen an meine Gaben:
Angst, Kummer, Schmerz.
Wie sehr wäre ich doch
Teil von etwas
schicksalslos Unbeständigem.
Nov 07
18
Ich sitze hier
an meinem Schreibtisch
und blicke durchs Fenster
hinaus
auf die Straßen
aber alles
was geschieht
ist ohne Belang
Alles
was ich sehe
ist Tag
für Tag
für Tag
dasselbe
und nichts wird sich
dort draußen ändern
solange ich hier sitze
vor dem Fenster
dem Schreibtisch
dem unbeschriebenen Blatt
dem faden Bier