Man muß die Menschen bei ihrer Geburt beweinen, nicht bei ihrem Tode.
Montesquieu
Man muß die Menschen bei ihrer Geburt beweinen, nicht bei ihrem Tode.
Montesquieu
Gestern noch wußte ich ihren Namen,
kannte ihre Schatten.
Heute ist sie ein Gestirn,
das kein Gewand mehr trägt.
Enthüllt liegt sie auf ihrem Bett,
gebärt ein neues Licht.
Sie hat ihren Leib gegeben und
wird nun sanft entschlafen,
schaut ein letztes Mal
in mein Gesicht
und entthront den letzten Kummertau.
Dann geht sie fort,
für immer dem Leben entschwunden.
Ich bin Beschützer des neuen Sterns,
werde ihrer gedenken,
bei jedem herannahenden Sonnenstrahl,
bei jedem Lächeln ihres Prinzen,
bei jeder Schwermut meines Herzens.
Du mußt deinen Verstand verloren haben,
wenn du mir ohne Bedenken
einen Kuß auf die Lippen drückst
und dein Herz fliegen läßt,
als würdest du weder ein Gestern
noch ein Morgen kennen.
Wenn der südbrasilianische Duft des Kaffees
frühmorgens in meine Nase kriecht und
der Geruch einer mir wohlvertrauten Haut
mein wildes Herz besänftigt,
habe ich keinen sehnlicheren Wunsch
als jemanden für dieses unsagbare Glück zu danken
das mir widerfährt und so umarme ich
ganz vorsichtig diese Frau
die neben mir liegt und die
herannahenden Sonnenstrahlen
mit einem herzlichen Lachen begrüßt.
Habe mich nicht getraut
bei dir zu übernachten.
Ich hatte Angst,
ich könnte am nächsten Morgen
neben dir aufwachen und
nicht wieder fortgehen wollen.
Ich hatte Angst,
mein bisheriges Leben
liegen zu lassen und
in deines einzutauchen.
Wäre ich zu dir ins Auto gestiegen und
hätte deine Einladung angenommen,
so hätte ich auf Spiel gesetzt,
nicht mehr der zu sein,
der ich einmal gewesen bin.
Ich würde mein Zuhause verlassen,
mein Frau und die Kinder,
meine Freunde und mein Dasein.
Ich würde zu dir ins Bett steigen,
dich anblicken und
alles um mich herum vergessen.
Ich hatte Angst,
mich aufzulösen und
in dir zu verlieren,
in deine Tiefe unterzugehen.