Filmausschnitt aus Ron Frickes wundertraurigen Film „Baraka“ unterlegt mit den sphärischen Klängen von Dead Can Dance.
Monat: Februar 2008 ↓
Dead Can Dance – The Host Of Seraphim
Tagebücher
Ihr Tagebuch
Am Samstag Abend hat er sich echt komisch verhalten. Wir wollten noch auf ein Bier ausgehen. Ich war den ganzen Tag mit meinen Freundinnen beim Einkaufen und kam deswegen zu spät – womöglich war er deswegen sauer.
Irgendwie kamen wir gar nicht miteinander ins Gespräch, so dass ich vorgeschlagen habe, dass wir woanders hingehen, wo man sich besser unterhalten kann. Er war zwar einverstanden, aber blieb so schweigsam und abwesend. Ich fragte, was los ist, aber er meinte nur „nichts“.
Dann fragte ich, ob ich ihn vielleicht geärgert habe. Er sagte, dass es nichts mit mir zu tun hat und dass ich mir keine Sorgen machen soll. Auf der Heimfahrt habe ich ihm dann gesagt, dass ich ihn liebe, aber er fuhr einfach weiter.
Ich versteh ihn einfach nicht, warum hat er nicht einfach gesagt „ich liebe Dich auch“. Als wir nach Hause kamen fühlte ich, dass ich ihn verloren hatte, dass er nichts mehr mit mir zu tun haben wollte. Er saß nur da und schaute fern – er schien weit weg und irgendwie abwesend.
Schließlich bin ich dann ins Bett gegangen.
Er kam 10 Minuten später nach und zu meiner Überraschung hat er auf meine Liebkosungen reagiert und wir haben uns geliebt. Aber irgendwie hatte ich immer noch das Gefühl, dass er abgelenkt und mit seinen Gedanken weit weg ist. Das alles wurde mir zuviel, so dass ich beschlossen habe, offen mit ihm über die Situation zu reden, aber da war er bereits eingeschlafen.
Ich habe mich in den Schlaf geweint. Ich weiß nicht mehr weiter. Ich bin fast sicher, dass er eine andere hat. Mein Leben hat keinen Sinn mehr.
Sein Tagebuch
Heute hat der VfB verloren, aber wir hatten prima Sex.
Wie schreibe ich moderne Prosa?
Ein Glaubensbekenntnis und ein technischer Ratgeber
- von Jack Kerouac -
- Liste der unentbehrlichen Hilfsmittel
- Geheime Notizbücher und lose Manuskriptseiten, die du zu deinem eigenen
Vergnügen vollgekritzelt bzw. wild vollgetippt hast. - Gib dich jedem
Eindruck hin! Öffne dich! Lausche! - Versuche, dich nie außerhalb
deiner eigenen vier Wände zu betrinken! - Sei in dein Leben verliebt!
- Etwas, was du fühlst, wird die ihm eigene
Form finden. - Sei immer blödsinnig geistesabwesend!
- Schlage so tief, wie du schlagen willst!
- Wenn du etwas Unergründliches schreiben willst, hole es aus dem Grunde deiner Seele empor!
- Die unaussprechliche Vision des Individuums.
- Keine Zeit für Lyrik, aber genau Bescheid wissen.
- Visionäre Krämpfe durchzucken die Brust.
- Auge haftet in träumerischer Entrücktheit an vor dir befindlichem Objekt.
- Beseitige literarische, grammatische und syntaktische Hindernisse!
- Mach es wie Proust: Gehe mit dem Schatz deiner Erfahrungen und Erinnerungen hausieren.
- Erzähle die wahre Geschichte der Welt im inneren Monolog!
- Im Zentrum des Interesses leuchtet juwelengleich das Auge innerhalb des Auges.
- Schreibe aus der Erinnerung und sei erstaunt über die Ergebnisse.
- Geh immer vom Kern der Sache aus, schwimm im Meer der Sprache.
- Finde dich mit Verlusten ab, und zwar für immer!
- Glaube daran, daß die Konturen des Lesens heilig sind.
- Es gilt, die Flut, die in deinem Innern bereits unversehrt existiert, aufzuzeichnen! Ringe darum!
- Denke nicht gleich an Worte, wenn du dich nur unterbrichst, um das Bild besser sehen zu können!
- Bleibe jedem Tag auf der Spur. Sein Datum schmücke deinen Morgen wie ein Wappenschild.
- Empfinde weder Angst noch Scham, wenn es um die Würde deiner Erfahrungen, deiner Sprache und deines Wissens geht!
- Schreibe, was die Welt lesen soll und worin sie genau das Bild sehen muß, was du dir von ihr machst.
- Das Buch in Drehbuchform ist der Film in Worten, eindeutig die amerikanische Form
- Sei des Lobes voll, wenn du in der frostig, kalten, unmenschlichen Einsamkeit einen Charakter findest.
- Komponiere wild, undiszipliniert, rein! Schreibe, was aus den Tiefen deines Inneren aufsteigt!
Je verrückter, desto besser! - Du bist allezeit ein Genie!
- Autor und Regisseur irdischer Filme, vom Himmel finanziert und heiliggesprochen.
Eine ungehaltene Rede vor dem deutschen Bundestag

Was ist Politik? Politik kommt von polis, und das heißt Stadt und Staat, bedeutet und meint aber immer schon mehr als Stadt und Staat, es bedeutet Heimstatt als die Stelle, an der wir leben. Heute begreift man immer mehr, daß die menschliche Heimstatt die Erde ist, ein kleiner Planet in einem Sonnensystem an einem Seitenarm einer Galaxie aus Milliarden Sternen, einer Galaxie unter zahllosen anderen. Unser Planet ist ein pures Nichts im Universum, aber er ist unsere Heimat, er ist unsere Polis. Dafür, daß er uns das sein kann, ist alles trefflich bereitet. Was der Mensch zum Leben braucht, wird ihm von der Erde unter der lebensspendenden Sonne zuteil. Insofern ist unsere Erde ein politischer Planet, und Gott, der dem Menschen die Erde zu seiner Heimstatt gewährte, ist ein politischer Gott. Unglücklicherweise ist der Mensch kein politischer Mensch. Die Behauptung des Aristoteles, das er einer sei, hat sich als Irrtum erwiesen. Denn Politik müßte heißen, diese menschliche Heimstatt, Heimat zugleich für Pflanzen und Tiere, zu verwirklichen und zu bewahren. Politik müßte heißen, die Erde zu einer menschlichen Erde zu machen. Weiterlesen →
Wir sind ein Teil der Erde

Meine Worte sind wie Sterne…
Der Staat Washington, im Nordwesten der USA, war die Heimat der Duwamish, eines Volkes, das sich – wie alle Indianer – als einen Teil der Natur betrachtete, ihr Respekt und Ehrerbietung erwies und seit Generationen mit ihr in Harmonie lebte.
Im Jahre 1855 machte der 14. Präsident der Vereinigten Staaten, der Demokrat Franklin Pierce, den Duwamish das Angebot, ihr Land weißen Siedlern zu verkaufen; sie selbst sollten in ein Reservat ziehen.
Die Indianer verstanden das nicht. Wie kann man Land kaufen und verkaufen? Nach ihrer Vorstellung kann der Mensch die Erde nicht besitzen, so wenig, wie er den Himmel, die Frische der Luft oder das Glitzern des Wassers besitzen kann.
Chief Seattle, der Häuptling der Duwamish, antwortete dem “ großen Häuptling der Weißen“ auf dessen Angebot mit einer Rede, deren Weisheit, Kritik und bescheidene Hoffnung uns heute, fast 150 Jahre später, mehr denn je betrifft und betroffen macht.
„Meine Worte sind wie Sterne, sie gehen nicht unter“, sagte Chief Seattle.
Sein Volk hat nicht überlebt, seine Worte wurden nicht gehört.
Werden wir sie hören? Werden wir überleben? Weiterlesen →





