Monat: Dezember 2007 ↓

Dez 07 21

Die Liebe

* Dies war die Textabschrift eines Referates, das ich 1995 als Erstsemester während meiner Studienzeit (Kurs: „Emotionalität des Menschen“) gehalten habe. Es sind hierin Gedanken anderer Autoren integriert, teilweise zitiert; leider habe ich aber die Quellenangaben nicht mehr. Weil sich dieser Text auf meiner alten Homepage einer gewissen Beliebtheit erfreute, stelle ich ihn hiermit wieder zur Verfügung.

1. Einführung, 2. Mythen, Deformationen und Irrtümer der Liebe, 3. Das Wesen der Liebe (Versuch einer Definition), 4. Die Angst in der Liebe, 5. Sexualität und Liebe, 6. Psychoanalyse der Liebe, 7. Voraussetzung zur Bildung einer gesunden Liebe, 8. Epilog

1. Einführung

Dem Wort „Liebe“ begegnen wir in der Alltagssprache sehr häufig. Sowohl als Begriff wie auch als Phänomen ist es Gegenstand endloser Erörterungen – sei es im Lebensalltag, in der Kunst, in philosophischen Abhandlungen oder in unserer Umgangssprache. Trotzdem scheint es, als sei das Phänomen Liebe sehr schwer zu verstehen. Mehr noch: die Fähigkeit und Bereitschaft zu lieben, scheinen auf viele Probleme zu stoßen.

Die Psychologen, Psychoanalytiker, Soziologen und Anthropologen beschäftigen sich eher mit den aggressiven und hasserfüllte Gefühlen und erst in zweiter Linie mit der Liebe des Menschen.

Könnte es sein, dass Menschen sich – so paradox es auch klingen mag – geschützter fühlen, wenn sie sich mit Äusserungen von Hass und Zurückweisung als mit Gefühlen der Liebe konfrontiert sehen? Könnte es sein, dass dieses Bedürfnis, sich zu schützen, damit zu tun hat, dass die Liebe so verletzlich macht? Dass Hass und Destruktivität dagegen ein Gefühl von Stärke geben – auch wenn diese noch so trügerisch und in ihren Auswirkungen noch so desolat ist? Weiterlesen →

Dez 07 20

Rot oder blau und die Suche nach Ana Bunuel-Elena

Thieschule

Dank Christoph Verheyden, der dieses Schmuckstück bei StayFriends hochgeladen hat, komme auch ich in den Genuss, ein altes Klassenfoto aus der Grundschule (Thieschule) zu sehen. Ich besitze nämlich leider nichts dergleichen.

Doof nur, dass man kostenpflichtiges Gold-Mitglied sein muss, um dort eine Nachricht zu versenden und sich zu bedanken. Das hole ich an dieser Stelle erst einmal nach. Danke Christoph.

Wie es ausschaut, hatte man als Kleinkind im Jahr 1981 scheinbar nur die Möglichkeit rot oder blau zu tragen …

Ich habe übrigens etwas Bedeutungsschwangeres geträumt…
Weiss jemand, was Ana Bunuel-Elena heute macht?

Dez 07 14

Eroberung

Du sagst,
du willst, dass ein Mann
um dich kämpft und dein Herz erobert.

Wundere dich dann aber nicht,
wenn er von all den Schlachten
erschöpft und verwundet zu dir kommt
und dein Streicheln
mit einem Schwerthieb antwortet.

Dez 07 12

for tanya

knoten in der brust
als ich zu erkennen glaubte
doch mehr kam nicht
als ein tropfen
der uns
sekundenlang
verband

Dez 07 12

Nänie

In den Nächten des Alleinseins übe ich lächelnd das Sterben,
den leisen Tod,
mit allen Quellen, die in Sehnsucht rinnen.

Vergebt mir, wenn ich nicht wiederkehre,
aber man schreit zwischen unseren Küssen.
Das Bett liegt voll Toter.

Vielleicht begegnen wir uns wieder,
aber dort, wo ich Euch verlassen habe,
trefft ihr mich nicht wieder.

Meine Träume werden fahl
und ich springe herab vom Leibe meiner Mutter.

Komm zu mir Apokalypse in dieser Nacht -
wir schlafen engumschlungen.

Dez 07 9

Die weibliche Gestalt

Danae

Dies ist die weibliche Gestalt,
Ein göttlicher Nimbus haucht von ihr aus von Kopf bis Fuß,
Sie zieht an mit heißer, unwiderstehlicher Anziehungskraft,
Ich werde eingesogen von ihrem Atem, als wäre ich nur ein
Hilfloser Dunst, alles versinkt außer mir und ihr,
Bücher, Kunst, Religion, Zeit, die sichtbare, feste Erde und
was vom Himmel erhofft und von Hölle gefürchtet
wurde, ist jetzt verweht,
Wilde Fühlfäden, unbändige Blitze zucken aus ihr, das
Widerspiel auch unbändig,
Haar, Busen, Hüften, Biegung der Beine, lässiges Sinken
der Hände ganz gelöst, die meinigen auch gelöst,
Ebbe, gestachelt von Flut, und Flut gestachelt von Ebbe,
Liebesfleisch, schwellend und lustvoll schmerzende,
Üppige, reine Strahlen der Liebe, heiß und gewaltig,
zuckender Gallert der Liebe, weißer Gischt und
rasender Saft
Bräutigam, Liebesnacht, sicher und weich eindringend in die
hingegebene Morgendämmerung,
Verwogend in die willige, nachgiebige Tageshelle,
Verloren in der umklammernden Tageshelle süßes Fleisch

Walt Whitmann (Auszug aus ‚Ich singe den Leib, den elektrischen‘)

Dez 07 8

Jauchzen nur noch die Kinder

Jauchzen nur noch die Kinder

Jauchzen nur noch die Kinder über Pfützen und überschwemmte Rinnsteine?
Lachen nur noch die Kinder über die dicken, dicken Tropfen, die auf der Nase zerplatzen?
Liegen nur noch die Kinder andächtig ängstlich wach,
wenn der Regen draußen die selbstverständlichsten Geheimnisse der Welt austratscht?
Macht der Regen nur noch Kinderaugen still und groß und blank?
Dann wollen wir die dumme abgetragene, aufgeblasene Würde des Erwachsenseins
wie eine vermottete Wolljacke ausziehen und auf einen großen Haufen werfen und verbrennen -
und uns den himmlischen Regen, den Sohn der See und der Sonne, durch Locken ins Hemd laufen lassen.
Komme keiner und sage, das wäre keinen Schnupfen wert.

Wolfgang Borchert

Dez 07 7

Monika

In der Nacht trug der Wind unsere Kleidung fort
und lud zu seinem Spiel ein.
Wir ließen die Körper im Sand nieder,
der von der Tageshitze noch aufgewärmt war.

Die Sterne beobachteten uns,
die Wellen des Meeres waren Zeuge
unserer entblößten Umarmung.
Deutlich spüre ich noch
die Fährten deiner Hände
in meinem Rücken
als wir uns zwischen
den schützenden Dünen liebten.

Am nächsten Morgen
klebte der Geschmack
deiner salzigen Haut
auf meiner Zunge
und etwas später wurde es Zeit,
Abschied zu nehmen

und dein Mann
ist mir noch immer gänzlich
unbekannt.